Naturschutz nicht nur für Fledermäuse:

Am 22. Juli 2009 wird das engere Gebiet, insgesamt 19 Hektar, des Fort Hahneberg zum Naturschutzgebiet erklärt. Festgehalten ist dies in der Verordnung zum Schutz der Landschaft des Hahneberges und Umgebung und über das Naturschutzgebiet Fort Hahneberg im Bezirk Spandau von Berlin. Im Paragraph 3 wird der Schutzzweck beschrieben, erst der zweite Absatz widmet sich dem Fledermausquartier.
Als erster schätzenswerter Lebensraum werden »die Trocken- und ruderalen Halbtrockenrasen als Lebensstätte und Lebensraum seltener und gefährdeter Käfer-, Hautflügler-, Heuschreckenarten, Spinnentiere und der Zauneidechse (geschützt nach Anhang IV der FFH-Richtlinie) sowie gefährdeter Pflanzenarten« aufgeführt.
Um diese Rasenflächen zu erhalten, ist die »Sukzession« zurückzudrängen. Ein erforderlicher Pflege- und Entwicklungsplan sollte durch die Senatsverwaltung für Umwelt bis spätestens 2011 vorgelegt und der Erhaltungszustand von ihr »in regelmäßigen Abständen … überprüft werden.«
Zwischen 2004 bis 2007 wurden auf dem Gelände des Fort Hahneberg und auf nördlich und östlich anschließenden Flächen durch den Bezirk Spandau umfangreiche Maßnahmen vorrangig zum Erhalt und Ausbau von Naturschutz-, Landschaftsschutz- aber auch für Naherholungsfunktionen durchgeführt. Im Auftrag des Bezirkes Spandau wurden erst baubegleitend von 2005 bis 2007 und von 2008 bis 2011 dann pflegebegleitend Beobachtungen der Biotopentwicklung gesammelt.
Erst im April 2014 wurde der Pflege- und Entwicklungsplan (PEP) vorgelegt. Explizit nimmt der zugrunde liegende Bericht Bezug auf das letzte umfangreiche Gutachten aus dem Jahr 2004.

Geologie

Der alte Hahneberg ist auf historischen Karten noch gut als Bestandteil eiszeitlich geprägter Landschaft zu erkennen. Er besteht aus Geschiebemergel, ein Teil seiner Böschungen werden durch Sand und Kies gebildet. Für die Errichtung des Fort wurde er Ende des 19. Jahrhunderts großflächig abgegraben und für die Begradigung seines Umfeldes und auf die Hohlbauten umgelagert. Mitte des 20. Jahrhunderts erfolgten weitere »anthropogene«, also vom Mensch veranlaßte Änderungen an der Nord- und Ostseite, um an der Heerstraße Fläche für den Grenzkontrollpunkt zu schaffen und den Hohlweg zuzuschütten. Das Grundwasser liegt im Bereich des Forts 30 bis 20 Meter unterhalb der Geländeoberfläche.

Pflanzen

Im Fort Hahneberg haben sich infolge der Pflegemaßnahmen seit 2004 (regelmäßige einmalige Mahd) auf den randlichen Oberwällen wiesenartige Bestände mit dominierendem Glatthafer entwickelt. Kennzeichnend sind hier weiterhin die Wehrlose Trespe in den waldnahen Bereichen und verschiedene Ruderalpflanzen im gesamten Bestand.
Auch in den Höfen des Forts haben sich durch die regelmäßige Mahd aus ein- und mehrjährigen Ruderalfluren zwischenzeitlich ruderale Wiesen entwickelt. Die freien Flächen werden den trockenen kalkreichen Sandrasen zugeordnet. Mehr als 50% machen Rauhblättriger Schaf-Schwingel (oder Rauhblatt-Schwingel, Festuca brevipila) und Zierliches Schillergras (oder Steppen-Schillergras, Koeleria macrantha) aus. Einen Anteil bis zu 10% hat der Gewöhnliche Glatthafer (auch Französisches Raygras, Arrhenatherum elatius). Dazu kommen weitere typische Arten wie Gemeine Grasnelke, Kartäuser-Nelke, Echtes Labkraut und Berg-Haarstrang und gefährdete Arten wie Ähriger Blauweiderich, Quendelseide, Steppen-Lieschgras, Gemeiner Thymian Ohrlöffel-Leimkraut und Sandstrohblume.

Anthyllis vulneraria (Gemeiner Wundklee) 1 vom Aussterben bedrohte Art; im östlichen Bereich der Mitteltraverse und in der nördlich angrenzenden ruderalen Wiese.
Der Gemeine Wundklee ist Zielart des Berliner Florenschutzes.
Cuscuta epithymum (Quendelseide) 1; kommt kleinflächig im Fort im Bereich der Mitteltraverse vor. Die Quendelseide ist Zielart des Berliner Florenschutzes.

Dianthus carthusianorum (Kartäuser-Nelke) 2 stark gefährdete Art; gibt es mehrere Standorte im Fort, wo die Nelke auf den Wällen im Grasnelken-Rauhblatt- schwingelrasen und in der ruderalen Wiese vorkommt.
Die Kartäuser-Nelke ist Zielart des Berliner Florenschutzes.

Koeleria macrantha (Zierliches Schillergras) 2
Phleum phleoides (Steppen-Lieschgras) 2

Acinos arvensis (Gemein. Steinquendel) 3 gefährdete Art
Crepis biennis (Wiesen-Pippau) 3; Vereinzelt kommt Wiesen-Pippau (Crepis biennis) im Fort in der ruderalen Wiese am Wegrand vor.
Peucedanum oreoselinum (Berg-Haarstrang) 3

Pimpinella saxifraga (Kleine Pimpinelle) G gefährdete Art, ohne Gefährdungskategorie; wachsen in der ruderalen Wiese auf dem nördlichen Randwall im Fort Hahneberg.

Armeria maritima (Gemeine Grasnelke); Die Gemeine Grasnelke ist Zielart des Berliner Florenschutzes und eben- falls eine Zielart des Berliner Biotopverbundes (Lebensräume: Ruderalfluren, Wälder, Parks / Grünanlagen).
Brachypodium pinnatum (Fieder-Zwenke) V Vorwarnliste, zurückgehende Art; kommt in der ruderalen Wiese auf dem nördlichen Randwall im Fort Hahneberg in einem kleinen Bestand vor und ist auch sonst vereinzelt im nördlichen Bereich des Forts zu finden.

Helichrysum arenarium (Sand-Strohblume)
Ononis repens (Kriechende Hauhechel) V; vereinzelt ist sie auch im Fort auf der Mitteltraverse zu finden.
Sedum maximum (Große Fetthenne) V

Weiterhin können einige Arten, die 1993 (Grabowski & Moeck 1993) vorhanden waren, 2003/2004 (Ökologie & Planung 2004) aber nicht gefunden wurden, aktuell wieder nachgewiesen werden:
Individuenreiche Bestände des Gemeinen Wundklees (Anthyllis vulneraria) sind in den Trockenrasen im Bereich der Mitteltraverse im Fort und auf der Böschung des Hahnebergweges vorhanden, im Jahr 2007 wurde im Fort die Golddistel (Carlina vulgaris) gefunden. Beide sind Zielarten des Berliner Florenschutzes. Die Gemeine Goldrute (Solidago virgaurea) wächst in der Erweiterungsfläche südlich des Hahnebergweges.
Einige Arten konnten aktuell im Vergleich zu 2004 nicht nachgewiesen werden. Dazu gehört die Wiesen-Primel (Primula veris), die 2004 für den Bereich des Oberstufenzen- trums (OSZ) angegeben wird, der außerhalb des jetzigen Untersuchungsgebietes liegt.
Auf der Fläche an der Heerstraße kommen Sand-Fingerkraut (Potentilla incana), Rosa cf. subcanina und Dreiteiliger Ehrenpreis (Veronica triphyllos) nicht mehr vor; hier spielen die regelmäßige Mahd und die Entwicklung zu weitgehend geschlossenen, grasreichen ruderalen Magerrasen eine Rolle.
Im Fort können aktuell Gemüse-Lauch (Allium oleraceum), Rauhhaarige Gänsekresse (Arabis hirsuta), Acker-Goldstern (Gagea villosa), Sand-Mohn (Papaver argemone), Falsche Filzrose (Rosa pseudoscabriuscula), Körnchen- und Finger-Steibrech (Saxi- fraga granulata, S. tridactylitis), Feld-Ulme (Ulmus minor) und Gemeines Rapünzchen (Valerianella locusta) nicht nachgewiesen werden. Gründe dafür können die regelmä- ßige Mahd und die Entwicklung der Vegetation zu weitgehend geschlossenen Trocken- rasen bzw. ruderalen Wiesen sein.